Schutzgemeinschaft Lebensraum A8

Archive for Juni, 2009

Retourschreiben BM Bures

Dienstag, Juni 23rd, 2009

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Offener Brief an BM Bures

Montag, Juni 22nd, 2009

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Doris Bures!

Von heute Montag bis einschließlich Donnerstag ruft der Verein „Schutzgemeinschaft Lebensraum A8“ AutobahnanrainerInnen zu einem Bürgerprotest auf der A8 Innkreisautobahn auf. 14 Bürgermeister und Gemeinderäte, die dieser Gemeinschaft angehören, unterstützen dies.

Warum machen wir so viel „Lärm“?

Grenzwerte für Lärm in den Nachtstunden werden überschritten!

Sie werden nicht nur jetzt, also vor der Generalsanierung, überschritten, sondern auch danach. Hunderte Bürger sollen nach Berechnungen der ASFINAG im Jahre 2020 im ersten Bauabschnitt (Länge ca. 10 km) wieder über diesen Grenzwerten leben. In den anderen Bauabschnitten wird es nicht anders aussehen. In den Abschnitten außerhalb der Generalsanierung soll der Lärmschutz gar unverändert bleiben.

50dB und nicht mehr!

Als AnrainerInnen an einer bestehenden Autobahn sind wir Menschen zweiter Klasse. An Neubaustrecken gelten 45dB in den Nachtstunden und auch die WHO gibt diese Zahl vor. Wir werden die 50dB ertragen müssen – aber kein Dezibel darüber!

Lärmberechnungen des Autobahnbetreibers sind zu hinterfragen!

Nach unseren Einwänden gegen die Projektierung des Lärmschutzes versucht die ASFINAG neuerdings mit dem stets vorgesehenen lärmmindernden Splitmastix-Belag die erschreckenden Prognosen für 2020 zu verfälschen. Zuvor wurde uns immer mitgeteilt, dass dieser Belag nicht für die Berechnungen herangezogen werden darf – plötzlich doch. Der Belag verliert jedoch an Wirkung und wer verspricht uns, dass bei der nächsten Belagssanierung nicht ein billigeres Produkt zum Einsatz kommt? Wir glauben an keine Versprechungen mehr. Zudem wurde an der A8 im Jahr 2001 schon sogenannter Flüsterasphalt ohne Ausgleich für Lärmschutz entfernt.

Weiters wird für die Berechnung der Grenzwerte für den Nachtzeitraum eine LKW-Geschwindigkeit von 60km/h herangezogen. Im Schnitt fahren dies LKW jedoch wegen mangelnder Kontrollen 88km/h in den Nachtstunden.

Vom Transitforum Austria Tirol durften wir zudem erfahren, dass von der ASFINAG in Auftrag gegebene kurzfristige Lärmmessungen in Innsbruck-Amras und  Langzeitlärmmessungen über ein halbes Jahr des Transitforums um bis zu 10dB auseinanderklafften. Die Messungen des Transitforums wurden schließlich anerkannt.

Die Trassenführung sucht seinesgleichen!

In den 1980ern – Lückenschluss 1990 – wurde diese Autobahn errichtet, oft durch dicht besiedeltes Gebiet, oft an Ortsrändern vorbei, im ersten Bauabschnitt durch ein 700m breites Tal mit drei größeren Gemeinden, Gemeinden, die damals teilweise sogenannte Luftkurorte (z.B. Meggenhofen) und schon traditionell gewachsen waren. Wir sprechen von einer Bausünde! Eine Bausünde, die der Bund, der Betreiber und das Land zu verantworten haben. Im Zuge der Generalsanierung sieht man, dass herkömmliche Lärmschutzwände abschnittsweise nicht ausreichen, um die Menschen entsprechend zu schützen. Aber das will man nicht hören. Man versteckt sich hinter dem Spar-Regierungsprogramm (Bund), dem Gorbach-Erlass (ASFINAG) und dem „Wir sind nicht zuständig“(Land).

Das Geld wird wo anders gebraucht!

An der A10 Tauernautobahn wurde am selben Tag wie an der A8 mit der Generalsanierung begonnen.

Das Verkehrsaufkommen an der A8 ist doppelt so hoch, die Anzahl der LKW beträgt das Vierfache.

299 Mio. € werden an der A10 für Lärmschutzmaßnahmen ausgegeben – an der A8 z.B. im ersten Bauabschnitt zwischen Pichl und Meggenhofen: 9 Mio. €.

Der Unterschied: An der A10 war man so klug und unterschrieb im Jahre 2004 eine gemeinsame Erklärung. Wir verließen uns auf eine Reihe von mündlichen Versprechungen und Zusagen, die alle gebrochen wurden.

Dass die ASFINAG in Wien kräftig investiert, ist zudem auch kein Geheimnis.

Es gäbe noch mehr zu sagen!

Aber wir möchten Ihre Zeit hier nicht im Übermaß beanspruchen. Wir hoffen ja noch immer – aber das wissen Sie schließlich – auf ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Was wollen wir?

Es ist ganz kurz zu erklären:

Grenzwerte müssen eingehalten werden!

50dB in den Nachtstunden dürfen nicht überschritten werden – an der gesamten A8 – um nicht 1dB. Wirtschaftlichkeit darf nicht vor die Gesundheit der AnrainerInnen gestellt werden. Sehr geehrte Frau Ministerin, sorgen Sie dafür!

Ein gutes Nebeneinander!

In Ihrem Brief an Herrn Landeshauptmann Dr. Pühringer vom 11.Mai schreiben Sie: „… und ich bin zuversichtlich, dass eine für alle tragbare Lösung gefunden werden wird.“ Und die ASFINAG wäre bemüht, ein gutes Nebeneinander – Straßenverkehrsträger mit AnrainerInnen – zu bewahren. Wir entfernen uns immer weiter davon, weil die ASFINAG einen Kompromissvorschlag der Bürgermeister und Anrainervertreter beim Informationsgespräch mit Vertretern des Bundes und des Landes am 17.6.09 vollständig abgewürgt hat und keine Notwendigkeit für weitere Gespräche sieht.

Sehr geehrte Frau Ministerin, nehmen Sie sich des Problems an!

Mit freundlichen Grüßen verbleiben wir

Mag. Rosmarie Meingaßner, Obfrau „Schutzgemeinschaft Lebensraum A8“
Stephan Rechberger, Obfrau-Stellvertreter